Tibetischer Mönch untergetaucht, nachdem er ein freimütiges Interview über seine Folterung und Mißhandlung gab

18 10 2008

das kam eben per email rein…

Free Tibet Campaign (FTC)
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8. Oktober 2008

Tibetischer Mönch untergetaucht, nachdem er ein freimütiges Interview über seine Folterung und Mißhandlung gab

FTC erfuhr, daß ein tibetischer Mönch, der am 12. September mit ausländischen Journalisten gesprochen und einen sehr ausführlichen Erlebnisbericht darüber, wie er gefoltert wurde, in YouTube (1) gestellt hatte, sich nun verstecken muß, da ihm die unmittelbare Verhaftung drohte. Hier folgt ein Auszug aus seinem Zeugnis.

„Ich wurde zwei Tage lang fortwährend geschlagen, und bekam dabei nichts zu essen und keinen Tropfen Wasser zu trinken… das zweite Mal lag ich sechs Tage lang bewußtlos im Krankenhaus, ich konnte meinen Mund nicht öffnen und kein Wort herausbringen… sie logen meine Angehörigen an und sagten, ich sei nicht geschlagen worden… sie zwangen mich, meinen Daumenabdruck unter ein Dokument zu setzen, in dem stand, daß ich nicht gefoltert wurde“.

„Die Mönche, die mit den Reportern (2) sprachen, wurden mit Knüppeln geschlagen, so daß einige Beinbrüche davontrugen. Einige wurden mit elektrischen Schlagstöcken auf den Kopf geschlagen und man steckte sie ihnen in den Mund. Durch die heftigen Stromstöße wurde ihr Gehirn in Mitleidenschaft gezogen und manche sind nun geistig behindert, ja, sie sind verrückt geworden. Unsere einzige Hoffnung ist, daß die internationalen Medien und die Vertreter der Vereinten Nationen nach Tibet kommen, um die wirkliche Lage zu untersuchen“.

Auf die Veröffentlichung des Interviews mit AP am 14. September hin (3) und die Einstellung des Video-Berichts bei YouTube im September starteten chinesische Beamte vom Staatssicherheitsbüro (SSB) von Gannan und vom Büro für Öffentliche Sicherheit (PSB) in Amdo (chin. Gansu) eine Großfahndung (4) nach dem Mönch, wie aus einer zuverlässigen Quelle verlautet. Der Mönch, Jigme Gyatso, 42, aus dem Kloster Labrang in der traditionell von Tibetern bewohnten Region Amdo (chin. Gansu) gab in dem Video bei YouTube einen sehr ausführlichen, ins Einzelne gehenden Bericht darüber, was er erlebt hatte. Inzwischen erschien eine englische Übersetzung auf dem Blog der tibetischen Dichterin Woeser.

Jigme beschreibt nicht nur seine eigene Verhaftung, sondern auch, wie  Tibeter im allgemeinen wahllos und willkürlich festgenommen werden.

„Es wird gar kein Unterschied gemacht, was jemand getan hat oder wie alt er ist… Novizen von 14 oder 15 Jahren und alte Mönche von 60 oder 70 Jahren wurden festgenommen. Es wurde überhaupt nicht unterschieden, ob sie protestiert hatten oder nicht“.

Bei der Schilderung seiner eigenen Erlebnisse und der eines anderen Mönches macht er deutlich, wie unmenschlich die chinesischen Soldaten und Polizisten die inhaftierten Tibeter behandeln, ohne daß sie dafür zur Rechenschaft gezogen werden.

„Ein junger Soldat richtete sein Maschinengewehr auf mich und sagte auf Chinesisch: Das ist dazu da, um Dich ‚Ahlos’ (ein Schimpfwort, mit dem Chinesen die Tibeter anzureden pflegen) zu töten. Wenn Du nur einen Schritt tust, werde ich Dich mit diesem Gewehr erschießen. Und Deine Leiche werfe ich auf den Müll und keiner wird je davon erfahren“.

„Unsere Rücken waren nackt und wir waren barfuß. Sie fesselten zwei Mönche zusammen und warfen sie in ein Fahrzeug und fuhren dann mit ihnen weg. Die Mönche wurden wie Holzstämme in das Fahrzeug geschmissen. Es war ganz egal, ob einige Kopfverletzungen hatten oder andere gebrochene Arme. Der einzige Grund, warum wir so schrecklich geschlagen wurden, ist, daß wir Tibeter sind.“

Jigme fährt mit seiner Schilderung fort, wie unmenschlich die Beamten die Tibeter behandelten, ohne sich um irgendwelche gesetzliche Schutzvorschriften oder Bestimmungen der Verfassung zu kümmern.

Über den Soldaten, der ihm das Gewehr an den Kopf hielt, sagte Jigme: „Ich war nicht so erschrocken wegen der auf meinen Kopf gerichteten Waffe,
sondern weil ich dachte, daß dieser Mann nicht nur ein Soldat oder ein Sicherheitspolizist ist, sondern auch ein Vollzugsbeamter“.

Jigme verweist auf die Diskrepanzen zwischen dem theoretischen Schutz, der den Tibetern laut der Verfassung zusteht, und der Realität, daß nämlich diese Schutzbestimmungen in der Praxis nicht zur Anwendung kommen oder ganz einfach mit Mißachtung gestraft werden.

„Als wir fragten, warum sie uns so schlagen, antworteten sie: ‚Ihr  versteht doch gar kein Chinesisch, Ihr wollt uns wohl zum Narren halten’. Meine Frage ist: In der Verfassung der VR China steht doch, daß in den Wohngebieten der verschiedenen Nationalitäten die Sprache der jeweiligen Volksgruppe gebraucht werden muß. Wie kommt es dann, daß in den tibetischen Gegenden die tibetische Sprache nicht verwendet wird, und die Tibeter nicht nur verbal geschmäht werden, indem man sie als ‚Tiere’ und ‚Dummköpfe’ bezeichnet, sondern auch körperlich mißhandelt, nur weil sie
kein Chinesisch verstehen“.

Jigmes Schilderung der Art und Weise, wie er geschlagen, gefoltert und  willkürlich festgenommen wurde, und wie die Tibeter nur wegen ihrer Volkszugehörigkeit verfolgt werden, deckt sich vollkommen mit den Aussagen anderer Mönche und Nonnen, so wie sie von FTC und anderen Menschenrechtsgruppen berichtet werden.

Anmerkungen:
—————————————-
(1) Video bei YouTube in zwei Teilen:

Der YouTube Ausschnitt ist aus einem Video-Interview, das Jigme Voice of America (VOA) gab. Es ist auf Tibetisch, doch eine englische Übersetzung von Jigmes Aussagen erschien nun auf dem Blog der bekannten tibetischen Schriftstellerin Woeser: http://woeser.middle-way.net/2008/09/blog-post_7346.html [die deutsche Übersetzung folgt später].

(2) Siehe: „Die Mönche von Labrang machen vor ausländischen Journalisten ihrer Verzweiflung Luft“
http://www.igfm-muenchen.de/tibet/Phayul/2008/MoencheLabrang_9.4.html

„Wir Tibeter, besonders die Älteren, sind wie die untergehende Sonne über einem Berggipfel!“
http://www.igfm-muenchen.de/tibet/Phayul/2008/MoencheLabrang_Aussagen.html

(3) Der AP-Artikel des Telefon-Interviews mit Jigme steht zur Verfügung unter:
http://ap.google.com/article/ALeqM5giC5O5VbQ0i1kfspRBW4diuGgdWQD936IQ701

(4) Die Quelle berichtete FTC, daß Jigme am Tag, nachdem er mit AP gesprochen hatte, in seinem Zimmer im Kloster Labrang war und plötzlich heftiges Klopfen an seiner Tür vernahm. Aus Angst verhaftet zu werden, kletterte er aufs Dach und floh. 15 Sicherheitskräfte, manche davon in Polizeiuniform, seien dann in das Zimmer eingedrungen. Sie waren vom SSB der TAP Gannan und vom SPB der Provinz Gansu. Sie durchsuchten das Zimmer eingehend, aber fanden nichts. In dieser Nacht seien mehrere Polizeifahrzeuge im Kloster Labrang gesehen worden, und am 19. September hätte die Polizei die anderen Mönche verhört und Auskunft über den Aufenthaltsort von Jigme verlangt. Am 20. September wurden seine Eltern zur Rede gestellt. Der Familie wurde angedroht, falls sie nicht bekanntgäbe, wo er sich befinde und man ihn später fände, würde seine Strafe viel härter ausfallen. Die Familie lieferte der Polizei jedoch
keine Information.

Die Videos sowie der Text sind auch unter folgendem Link aufrufbar: http://www.china-observer.de/081017-182257.html

Übersetzung: Adelheid Dönges, Revision: Adelheid Dönges,
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* Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM)
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* Bei den Übersetzungen handelt es sich um nicht-authorisierte.
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Situation in Tibet verschlechtert sich – Angst, es könne noch schlimmer kommen

21 04 2008

Presseerklärung des Kalon Tripa* Prof. Samdhong Rinpoche zur Situation in
Tibet

Freitag, 18. April 2008 (Original siehe: www.tibet.net)

Situation in Tibet verschlechtert sich – Angst, es könne noch schlimmer kommen
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Seit dem 10. März 2008 hat es weit verbreitete Proteste in allen Gebieten von U-Tsang, Kham und Amdo gegeben, sowie in verschiedenen Städten in
China, in denen Tibeter leben. Diese Proteste sind ein Ausbruch der seit fünf Jahrzehnten in den Herzen des tibetischen Volkes entstandenen
Unzufriedenheit und der tief verwurzelten Verbitterung angesichts der exzessiven Unterdrückung und der falschen Reaktion auf die friedlichen
Proteste einer kleinen Zahl von Mönchen und Bürgern an verschiedenen Orten in und außerhalb der „TAR“ am 10. März 2008. [Tibetan Autonomous Region = Autonome Region Tibet, A.d.Ü.]

Der 10. März ist ein historischer Tag für das tibetische Volk. Jedes Jahr gibt es irgendeine friedliche Demonstration, die aber nicht über diesen Tag
hinausgeht. In diesem Jahr jedoch gingen die Proteste aufgrund der unnötig repressiven Maßnahmen und des Einsatzes von Gewalt in den folgenden Tagen weiter.

Wenn die chinesische Regierung durch Einsatz von Gewalt Frieden und Ordnung in Tibet hätte aufrechterhalten wollen, so hätte sie das innerhalb eines
Tages erreichen können. Aber selbst nach fünf Wochen ist noch keine Normalität eingekehrt, und Tag für Tag kommt es zu weiteren Protesten und
Unterdrückungsmaßnahmen. Das weckt Argwohn bezüglich der Absichten der chinesischen Regierung. Unter den vielen fragwürdigen Begebenheiten fallen folgende auf:

• Am 14. März wurden in Lhasa mehrere Stunden lang ungewöhnliche Unruhen geduldet, ohne dass die Behörden irgendwelche Präventivmaßnahmen ergriffen.

• Die Mehrzahl der Demonstranten, die an diesem Tag an gewalttätigen Aktionen beteiligt waren, war der ortansässigen Bevölkerung unbekannt.
Insbesondere kam es vor, dass Leute gesehen haben, wie chinesische Polizisten in tibetischer Kleidung und in Mönchsroben bei den Protesten die
führende Rolle einnahmen.

• Die chinesische Regierung behauptet, in einigen tibetischen Klöstern Gewehre und Munition gefunden zu haben. Diese Behauptung gründet darauf, dass sie einige unbrauchbare selbstgefertigte Gewehre und Schwerter entdeckt haben, die den Räumen der Schutzgottheiten (Gonkhang) der Klöster
als Opfergaben dargebracht worden waren. In einigen anderen Fällen hat das Militär selbst Waffen und Munition in die Klöster geschafft. Später haben
sie dann behauptet, diese in den Klöstern gefunden zu haben, und die Tibeter beschuldigt, auf dem Klostergelände Waffen und Munition zu horten.

• Die chinesische Regierung behauptet auch, dass tibetische Unabhängigkeitskräfte planen, Selbstmordangriffe zu begehen.

• Sie beschuldigen einige Mönche, eine Bombe zur Explosion gebracht zu haben, die ein Gebäude in Chamdo in Osttibet beschädigte. Die Regierung
ist immer noch gefordert, dafür irgendeinen überzeugenden Beweis zu erbringen.

• Patriotische Umerziehungsmaßnahmen sind wieder eingeführt worden, und Klöster und Privathaushalte wurden angewiesen, auf ihren Gebäuden die chinesische Nationalflagge zu hissen.

• Überall werden in aller Härte Anti-Dalai-Lama-Kampagnen durchgeführt. Das verletzt die Gefühle des tibetischen Volkes am meisten.

• Die Volksrepublik China (VRCh) bemüht sich systematisch und zielstrebig, zwischen dem tibetischen und dem chinesischen Volk eine Kluft
zu schaffen. Das geschieht durch eine großangelegte Propaganda, die im chinesischen Volk den Nationalismus und den Hass auf die „Dalai Clique“
schürt.

Diese Aktionen sind nicht hilfreich, wenn es darum geht, inneren Frieden und soziale Ordnung in Tibet wiederherzustellen. Im Gegenteil, sie werden
von den Tibetern als sehr provozierend empfunden, weil sie ihre Gefühle auf das Gröbste verletzen. All diese Handlungen scheinen darauf abzuzielen, die Duldsamkeit des tibetischen Volkes zu untergraben und die Tibeter zu gewalttätigen Gegenaktionen zu provozieren. Sie weisen auch darauf hin,
dass verschiedene Behörden der VRCh planen, weitere Bombenanschläge und andere destruktive Akte zu begehen und die unschuldigen Tibeter dann für diese Aktionen verantwortlich zu machen.

Wir sind in tiefer Sorge über die anhaltenden Unterdrückungsmaßnahmen wie brutales Schlagen, Folter, Tötungen, Entzug von lebenswichtiger Nahrung und Trinkwasser, was zum Hungertod der betroffenen Tibeter führt. Wir sind auch sehr besorgt, dass solche Unterdrückungsakte möglicherweise noch viele weitere Monate anhalten werden.

Tibet ist praktisch abgeriegelt, und in absehbarer Zeit wird die chinesische Regierung mit der Hinrichtung unschuldiger Tibeter alle Beweismittel zerstört haben. Die internationale Gemeinschaft muss unverzüglich einschreiten und die Regierung der VRCh überzeugen, diese grauenhaften Akte einzustellen.

Die leidige Situation in Tibet, die mit der ultralinken Politik begann, die die Regierung der VRCh 1957/58 einführte und die dann zum Volksaufstand vom
10. März 1959 führte, dauert bis heute an. Seit damals haben die Tibeter unendlich gelitten. Mehr als eine Million Tibeter ist umgekommen, und die Situation ist nach wie vor problematisch. Diese Politik wurde als falsch erkannt und im Kernland China revidiert. Aber für die tibetische Nationalität hat es keine Änderung der politischen Linie gegeben. Und solange sich die grundlegende politische Linie der VRCh der tibetischen Nationalität gegenüber nicht ändert, kann, selbst jetzt, kein noch so großer Einsatz von Gewalt das tibetische Volk unter Kontrolle halten.

Die Führung der VRCh verlangt einerseits, dass Seine Heiligkeit der Dalai Lama seinen Einfluss geltend machen soll, um in Tibet wieder Normalität herzustellen. Andererseits aber haben sie keinerlei Raum geschaffen oder Möglichkeiten eröffnet, damit Seine Heiligkeit der Dalai Lama seinen Einfluss in Tibet ausüben kann. Im Gegenteil, die chinesische Führung hat ihre Anti-Dalai-Lama-Kampagne in ganz Tibet verstärkt.

Die Führung der VRCh weigert sich, die Ursache für die Unruhen in Tibet herauszufinden und sich zu bemühen, diese Ursache zu beseitigen. Stattdessen verschlimmert sie das Problem auf verschiedene Weise. Dies zeigt ganz klar, dass sie keinen Frieden und Stabilität in Tibet will.

Wir appellieren deshalb eindringlich an die internationale Gemeinschaft, effektive und unverzügliche Maßnahmen zu ergreifen, um die VRCh von solch brutalen Akten gegen das tibetische Volk abzuhalten und ihre Politik des systematischen kulturellen Genozids in Tibet zu beenden.

Prof. Samdhong Rinpoche
Kalon Tripa
18. April 2008

*Premierminister der Regierung-Tibets-im-Exil, A.d.Ü.

Nichtauthentische Übersetzung: MoKa
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tibet ubdate

28 03 2008

check this video about monks in tibet…

heute findet an der chinesischen botschaft wieder eine demo statt.

ich werde am 31.3. in würzburg um 15 uhr an einer pro tibet kundgebung teilnehmen.

jeder zeit können demos auch spontan abgehalten werden. wenn ihr eine demo machen wollt, versammelt euch und ruft kurz bei polizei an und sagt denen, daß ihr eine spontan kundgebung abhaltet. alles weitere wird euch dann die poliezi sagen…

ich wünsch euch viel erfolg und ein schönes wochenende.

ich bin am samstag in essen zum audiopark in der zeche karl…

free tibet!

dr. motte sagt. “ mao zedong sagte einmal zum dalai lama, religion ist opium fürs volk, der buddha hat religion ebenfalls als dogma abgelehnt.“

außerdem

Der UN-Menschenrechtsrat sollte eine Erkundungsmission nach Tibet entsenden.
Appellbrief an den Menschrechtsrat aktualisiert:
http://www.igfm-muenchen.de/tibet/Aktion/BriefvorschlagMRRat.html

Eine Petition des Vereins der Tibeter in Deutschland steht zum Download:
http://www.igfm-muenchen.de/tibet/Aktion/Petition_VdT.pdf

Bitte unterstützen Sie den Aufruf der Gesellschaft für bedrohte Völker:
Olympia-Eröffnungsfeier boykottieren!
http://www.gfbv.org/chinakampagne/inhaltsDok.php?id=1285&stayInsideTree=1
*****************************************************************************
Students for a Free Tibet, International Headquarters
602 East 14th Street, 2nd Floor, New York, NY 10009, PH/FX 212.358.0071 /
1771
www.studentsforafreetibet.org
Kontakt: Lhadon Tethong +91 980 523 7015 und Tenzin Dorjee +33 625 758 326

Pressemitteilung, 27. März 2008
Video über das Ereignis: http://www.youtube.com/watch?v=Mhv0ubToreE

Dutzende Tibeter unterbrechen eine von der chinesischen Regierung
organisierte Besichtigungstour westlicher Medienvertreter in Tibet

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Tibet aktuel: Dringender Appell des Kashag – Chronologie der Demonstrationen – Nächtliche Razzien in Lhasa

18 03 2008
Dringender Appell
Seit dem 10. März 2008 ist es in unterschiedlichen Teilen Tibets (innerhalb und außerhalb der TAR [Autonome Region Tibet]) immer wieder zu friedlichen Demonstrationen gekommen, die brutal niedergeschlagen wurden.

Die augenblickliche Situation in Tibet ist sehr ernst. Das Ultimatum der chinesischen Regierung läuft heute um Mitternacht aus. Daher sind wir sehr besorgt, daß es danach zu einem immensen Massaker an den Tibetern kommen könnte.

Die Zentrale tibetische Verwaltung [tibetische Exilregierung ruft die internationale Gemeinschaft, die Vereinten Nationen, Regierungen und Parlamente, die Menschenrechtsgruppen und die Tibetunterstützergruppen, dringend auf, die Chinesische Regierung in aller Deutlichkeit aufzufordern, die Repressionen unverzüglich einzustellen und all jene, die festgenommen wurden, freizulassen und den Verletzten die notwendige medizinische Versorgung zukommen zu lassen.

Wir fordern insbesondere den Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen auf, unverzüglich eine Ermittlungs-Kommission in die betroffenen Gebiete Tibets zu entsenden, um eine weitere Verschlechterung der kritischen Situation zu verhindern.

Kashag (Kabinett der Tibetischen Regierung-im-Exil)17. März 2008

Chronologie der Demonstrationen in Tibet mit Stand 16. März
16. März: Aus zuverlässigen Quellen verlautet, daß am 14. März 2008 mindestens 80 Personen in Lhasa getötet wurden. Ein Augenzeuge berichtet, daß viele Leichen einfach vor dem Büro für Öffentliche Sicherheit in Lhasa deponiert wurden.

16. März 2008: Um 9.30 Uhr durchbrachen über eintausend Mönche des Klosters Kirti (Provinz Amdo), das vom chinesischem Militär komplett abgeriegelt wurde, den Sicherheitskordon, und außerhalb des Klostergeländes stießen weitere eintausend Laientibeter zu ihnen. Tränengas wurde gegen die Demonstranten eingesetzt, und es waren Gewehrschüsse zu hören, wie aus zuverlässiger Quelle verlautet. Mindestens ein Tibeter wurde erschossen, während sich andere in kritischem Zustand befinden.

16. März 2008: Die Behörden wiesen tibetische Beamte in Tibet an, sich von allen Protesten fernzuhalten. Ihre Bewegungsfreiheit wurde eingeschränkt und sie müssen sich in Listen ein- und austragen, wenn sie ihre Häuser verlassen.

15. März 2008: Eine zuverlässige Quelle berichtet, daß ein Militärlastwagen voller Leichen in Richtung Toelung (Teil des Bezirks Lhasa) fuhr.

15. März 2008: In Lithang wurden bei zwei kleineren Protesten (TAR Kardze, Provinz Sichuan) mindestens zwei Demonstranten verhaftet.

15. März 2008: In Labrang in Amdo beteiligten sich fünf- bis sechstausend Tibeter an einer großen Demonstration. Sie forderten u.a. die Rückkehr des Dalai Lama.

15. März 2008: In Phenpo Lhundup Dzong (Teil des Bezirks Lhasa) kam es zu einem Protest von Mönchen und Laien.

15. März 2008: Das Kloster Ganden (etwa 50 km östlich von Lhasa) steht unter strenger militärischer Bewachung. Die Zahl der Soldaten ist so groß, daß die Zelte nicht mehr reichen.

15. März 2008: Auf dem Klostergelände von Tashi Lhunpo (Shigatse) gab es Schüsse und mindestens 40 Laien, die hinter dem Kloster demonstrierten, wurden festgenommen.

15. März 2008: Über 500 Personen wurden alleine in Lhasa verhaftet, wahrscheinlich liegt die Anzahl noch viel höher, weil die Festgenommenen auf diverse Gefängnisse in ganz Tibet verteilt wurden.

15. März 2008: Alle Vertreter in- und ausländischer Medien in Tibet wurden verhört, und das von ihnen aufgenommene Beweismaterial (Videos, Bilder etc) wurde zerstört oder konfisziert.

11. März 2008: In Dabpa (TAP Kardze, Provinz Sichuan) wurden drei Tibeter von der Polizei erschossen und mindestens 10 Personen verletzt. Die Polizei hat Anweisung, mit scharfer Munition auf die Demonstrierenden zu schießen, weil sie angeblich „spalterischen Aktivitäten" nachgehen.

Tibetan Centre for Human Rights and Democracy (TCHRD)Top Floor, Narthang Building, Gangchen Kyishong, Dharamsala 176215, H.P., IndiaPhone/Fax: +91 1892 23363 / 25874, e-mail: dsala@tchrd.org, www.tchrd.orgPressemitteilung, 16. März 2008, 22.45 h

Massenfestnahmen durch chinesische Sicherheitskräfte bei mitternächtlichen Razzien in Lhasa

Seit heute durchkämmen die Sicherheitskräfte in Lhasa Haus für Haus, Hunderte von Tibetern wurden bereits willkürlich festgenommen. Wie das TCHRD aus zuverlässiger Quelle erfuhr, wurden alle ehemaligen politischen Gefangenen verhaftet und ins Gefängnis geworfen.

Die Straßen sind voller patrouillierender chinesischer Soldaten und Panzer und die Sicherheitskräfte dringen in jedes Haus ein und nehmen verdächtige Personen fest, besonders Jugendliche, die von den bewaffneten Polizisten sofort schwer geschlagen werden. Wie das TCHRD erfuhr, wandten sich Mütter und ältere Frauen in den Häusern flehend und unter Tränen an die Soldaten, als sie sahen, wie diese ihre Söhne und Lieben schlugen und wegschleiften.

Die Vollzugsbehörden in der sogenannten Autonomen Region Tibet hatten am Samstag, den 15. März, den protestierenden Tibetern ein Ultimatum gestellt, sich vor Montag Mitternacht freiwillig den Behörden zu stellen. Trotzdem begannen die Festnahmen mit Haus für Haus Razzien bereits gestern, während die Welt meinte, sie würden erst morgen damit anfangen.

Obwohl offiziell kein Kriegsrecht über Lhasa verhängt wurde, sind die Umstände genauso wie 1989, als der damalige Parteisekretär der TAR, Hu Jintao, der gegenwärtige Präsident der VR China, die Stadt unter Kriegsrecht stellte.

Das TCHRD befürchtet, daß es in den kommenden Tagen zu noch viel mehr willkürlichen Festnahmen und Zwangsverschleppungen kommen wird. Es ist äußerst besorgt um die Festgenommenen, denn Folter ist in den Haftzentren und Gefängnissen in dem von China besetzten Tibet gang und gäbe. Das TCHRD appelliert an die internationale Gemeinschaft, ihre Solidarität mit den festgenommenen friedlichen tibetischen Demonstranten und unschuldig Verhafteten zu bekunden.

Aus anderer Quelle verlautet, daß heute am Sonntag um die 20.000 chinesische Soldaten in Lhasa einmarschiert seien.

Weitere Informationen bei der Presseabteilung des Tibetischen Zentrums für Menschenrechte und Demokratie in Dharamsala (Indien):

Tashi Choephel Jamatsang (English) / Jamphel Monlam (Tibetan and Chinese) Phone Number: +91-1892-223363/225874/2292225 Email: dsala@tchrd.org, director@tchrd.org, tashichoephel@tchrd.org

Übersetzung: Adelheid Dönges, Eilrevision per Telefon: Angelika Mensching

Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM)* Arbeitsgruppe München* Adelheid Dönges, Packenreiterstr. 18, 81247 München* Tel (+49 89) 811 35 74 oder 0177-8178800 (Michael Filsinger)* tibet@igfm-muenchen.de, www.igfm-muenchen.de/tibet/tibetstart.html* Spendenmöglichkeit: IGFM München,* Kto 158393803, Postbank München, BLZ 700 100 80* IBAN DE71700100800158393803 - BIC PBNKDEFF* Abmeldung von dieser Liste jederzeit möglich, es genügt,* diese Mail mit "unsubscribe" im Betreff zurückzuschicken